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Der Girlitz – Steck­brief eines heimi­schen Vogels

Der Girlitz (Seri­nus seri­nus) ist die kleinste euro­päi­sche Art aus der Finken-Fami­lie. Seinen Namen trägt der Girlitz dank seiner etwas schril­len und hekti­schen „Zr-r-rlitt“-Rufe.

Trotz seines auffäl­lig gelben Gefie­ders ist der kleine und flinke Fink recht leicht zu über­se­hen. Anhand seines Gesangs, der meist von höher gele­ge­nen Warten aus schallt, ist er aber meist recht leicht auszu­ma­chen.

Der Girlitz wurde im Jahre 2021 von der Vogel­schutz­or­ga­ni­sa­tion Bird­Life Öster­reich zum Vogel des Jahres gewählt, um auf die immer weiter abneh­men­den Bestände dieses fröh­li­chen Garten­be­su­chers in Öster­reich aufmerk­sam zu machen.

Der Girlitz ist eng mit dem Kana­ren­gir­litz verwandt, der als Kana­ri­en­vo­gel auch bei uns gerne und häufig als Haus­tier gehal­ten wird.

Ausse­hen und Merk­male des Girlitz

Der Girlitz hat eine Körper­länge von nur rund 11 bis 12 cm von der Schwanz­spitze bis zum Schna­bel. Sein Körper­ge­wicht beträgt nur etwa 11 bis 13 g. Seine Gestalt ist eher rund­lich mit kurzem Hals und dünnen rötlich bis dunkel­brau­nen Füßchen. Beson­ders auffäl­lig sind der leuch­tend gelbe Bürzel und der stupfe Kegel­schna­bel, der von seiner Form her an eine Stups­nase erin­nert.

Girlitz Männchen

Girlitz Männ­chen (Foto­graf: Luis García, Lizenz: CC BY-SA 3.0 es)

Das Männ­chen weist eine leuch­tend gelbe Färbung an Kehle, Gesicht und Brust auf. Auf der Ober­seite ist das Männ­chen grün­lich längs­ge­streift. Das Weib­chen ist deut­lich matter gelb­lich gefärbt und das Feder­kleid ist auch auf der Unter­seite schwarz­bräun­lich längs­ge­streift. Die weib­li­chen Exem­plare sind etwas größer und schwe­rer als die männ­li­chen Vögel.

Girlitz Weibchen

Girlitz Weib­chen (Foto­graf: Charles J. Sharp, Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Die Jung­vö­gel ähneln optisch den Weib­chen. Sie sind bräun­lich mit dunk­len Längs­strei­fen gefärbt und haben noch keinen gelben Bürzel.

Girlitze sehen Gold­am­mern und Erlen­zei­si­gen sehr ähnlich. In diesem Video erfah­ren Sie, wie Sie diese Vogel­ar­ten von einan­der unter­schei­den können.

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Natür­li­cher Lebens­raum des Girlitz

Der Girlitz ist in Konti­nen­tal­eu­ropa, Nord­afrika und in Klein­asien verbrei­tet. In Südeu­ropa und Nord­afrika lebt der Girlitz als Stand­vo­gel, ist also das ganze Jahr über zu beob­ach­ten. In Mittel­eu­ropa und Klein­asien lebt der Girlitz als Kurz­stre­cken­zie­her. Ab Mitte Septem­ber bis Ende Okto­ber ziehen Girlitze in der Regel aus Deutsch­land und Öster­reich in Rich­tung Mittel­meer ab. In milden Wintern kommt es auch vor, dass sie bei uns blei­ben. Im April kehren die Girlitze wieder zurück, um dann bei uns zu brüten.

Der Girlitz lebt haupt­säch­lich in offe­nen Kultur­land­schaf­ten mit vielen Büschen, Sträu­chern und Bäumen, aber auch an Flüs­sen, in Mooren, in Berg­land­schaf­ten und an Wald­rän­dern. Er brütet gerne in großen Gärten und Fried­hö­fen. Er benö­tigt in seinem Lebens­raum nied­rig bewach­sene Flächen, die ihm zur Nahrungs­su­che dienen.

Der Girlitz besucht auch gerne Futter­stel­len im Garten und lässt sich hier sehr gut beob­ach­ten.

Girlitze verhal­ten sich außer­halb der Brut­zeit wenig terri­to­rial. Er vertei­digt in der Brut­zeit den Bereich um sein Nest, bean­sprucht jedoch kein eige­nes Revier. Außer­halb der Brut­zeit ist der Girlitz oft in größe­ren Schwär­men anzu­tref­fen, oftmals auch mit ande­ren Finken­ar­ten.

In freier Natur haben Girlitze eine durch­schnitt­li­che Lebens­er­war­tung von etwa 3 bis 5 Jahren. Leider fallen viele Girlitze schon viel früher (in einem Alter von bis zu einem Jahr) Fress­fein­den zum Opfer.

Natür­li­ches Futter der Girlitze

Der Girlitz gehört (wie alle ande­ren Finken auch) zu den Körner­fres­sern. Er ernährt sich haupt­säch­lich von verschie­de­nen Samen. Er bevor­zugt hier­bei die Samen von Hirten­täschel, Löwen­zahn und Ampfer. Auch Knos­pen von Sträu­chern stehen häufig auf seinem Spei­se­plan. Während der Brut­zeit frisst der Girlitz auch Insek­ten und Blatt­läuse und verfüt­tert diese auch an seine Jungen.

Eine Futter­stelle für Girlitze einrich­ten

Wenn Sie eine Futter­stelle für Girlitze einrich­ten möch­ten, eignen sich ein frei stehen­des oder hängen­des Vogel­fut­ter­haus oder eine Futter­säule am besten. Das Futter­haus soll­ten Sie an einem über­sicht­li­chen Ort im Garten aufstel­len, so können die Girlitze anschlei­chende Katzen und andere Feinde leich­ter wahr­neh­men und sich recht­zei­tig in Sicher­heit brin­gen. In der direk­ten Umge­bung des Futter­hau­ses soll­ten Büsche oder Bäume als Versteck­mög­lich­keit vorhan­den sein.

Falls in der Nähe des Vogel­fut­ter­hau­ses Glas­schei­ben sind, sollte man diese bekle­ben, damit die klei­nen Finken nicht ausver­se­hen dage­gen flie­gen und sich dabei verlet­zen.

Als geeig­ne­tes Vogel­fut­ter für Girlitze eige­nen sich verschie­dene Wild­vo­gel­mi­schun­gen mit feinen Säme­reien von Gräsern etc. und Sonnen­blu­men­kerne sehr gut.

Auch Fett­fut­ter, zum Beispiel in Form von Meisen­knö­deln wird von Girlit­zen gerne genom­men. Hier­bei soll­ten Sie unbe­dingt darauf achten, dass Sie Meisen­knö­del ohne Plas­tik­netz verwen­den. Im Plas­tik­netz könn­ten sich die klei­nen Vögel leicht verfan­gen und verlet­zen.

Paarung und Brut­ver­hal­ten des Girlitz

Girlitze werden mit etwa einem Jahr geschlechts­reif und führen mono­game Brutehen. Im März beginnt in Mittel­eu­ropa das Männ­chen mit der Balz. In der Zeit von Ende März bis Juli haben die Girlitz­paare in der Regel ein bis zwei Bruten mit jeweils 3 bis 5 bläu­lich gefärb­ten Eiern, die rötli­che und hell­vio­lette Flecken aufwei­sen.

Ihr Nest bauen die Girlitze frei (nicht in Höhlen oder Nischen) in hoch gele­gene Astga­beln dich­ter Bäume (oft Nadel­bäume) mit guter Deckung aber auch guter Sicht. Das napf­för­mige Nest wird aus klei­nen Zwei­gen, Stän­geln, Halmen, Blat­t­rip­pen, Moos und ande­ren Pflan­zen­fa­sern gebaut. Ausge­pols­tert wird das Nest in der Regel mit Haaren, Federn und feinen Wurzeln- oder Pflan­zen­fa­sern. Der Nest­bau dauert norma­ler­weise etwa 3 bis 6 Tage.

Das etwa 12 bis 14-tägige Brüten über­nimmt das Weib­chen alleine. Sie verlässt das Nest immer nur kurz zur Körper­hy­giene, zum Trin­ken und zum Kotab­satz. Das Männ­chen über­nimmt während dieser Brut­zeit die Nahrungs­ver­sor­gung des Weib­chens. Außer­dem bewacht und vertei­digt er auch den Brut­baum und sein Nest gegen Artge­nos­sen.

Nach dem Schlupf werden die Jung­vö­gel noch etwa 14 bis 16 Tage im Nest von beiden Altvö­geln mit Nahrung versorgt, bevor sie das Nest verlas­sen. Die Jung­vö­gel werden dann weiter­hin von ihren Eltern mit Futter versorgt, bis sie mit etwa 23 Tagen selbst­stän­dig werden und alleine auf Nahrungs­su­che gehen. Oftmals beginnt nun direkt die zweite Brut der Altvö­gel.

Für Girlitze eignen sich Nist­käs­ten, die im Garten ange­bracht werden leider nicht als Nist­hil­fen, da Girlitze als Frei­brü­ter diese nicht nutzen.

Girlitz - Heimischer Vogel

Feinde und Gefah­ren für Girlitze

Der Girlitz gehört in Deutsch­land zu den beson­ders geschütz­ten Arten. Noch gilt der Girlitz bei uns als nicht gefähr­det und sein Bestand in Deutsch­land wird als konstant ange­ge­ben. In Öster­reich ist sein Bestand in den letz­ten 30 Jahren aller­dings um mehr als 80% zurück gegan­gen. Schuld daran trägt – wie auch bei den ande­ren heimi­schen Vögeln – vor allem der Mensch. Zuneh­mende Bebau­ung, die Versie­ge­lung offe­ner Flächen und die zuneh­mende indus­tri­elle Land­wirt­schaft mit dem Einsatz von künst­li­chen Dünge­mit­teln und Pesti­zi­den sorgt für schwin­den­den Lebens­raum und weni­ger verfüg­ba­res Futter für alle heimi­schen Vogel­ar­ten und auch für andere Tiere wie Igel, Eich­hörn­chen usw.

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Dank seines Gesangs war der Girlitz bis in 15. Jahr­hun­dert ein sehr belieb­ter Käfig­vo­gel. Auch heute wird der Girlitz trotz EU-Verbots immer noch für die Käfig­hal­tung gefan­gen und verkauft.

Zu den natür­li­chen Fein­den der Girlitze gehö­ren unter ande­rem Katzen, Elstern, Sper­ber, Falken und Wiesel. Zusätz­lich haben die klei­nen Finken – wie alle ande­ren heimi­schen Vögel auch – mit Para­si­ten, Infek­ti­ons­krank­hei­ten, dem Wetter und dem Klima­wan­del mit einher­ge­hen­der Trocken­heit zu kämp­fen.

Lebens­be­droh­lich kann für Girlitze auch ein zu klei­nes Nahrungs­an­ge­bot sein. Daher ist es sinn­voll ein Vogel­fut­ter­haus im Garten aufzu­stel­len. An heißen Sommer­ta­gen fehlt es ihnen auch oft an frischem Wasser. Hier können Sie die klei­nen Vögel durch das Aufstel­len von Vogel­trän­ken mit frischem Trink­was­ser unter­stüt­zen. Die klei­nen Girlitze und ihre Artge­nos­sen werden es ihnen danken.